Zahlen sind wichtig – Menschlichkeit auch

Comdatek zählt zu den Top-10-Digitaldruckereien in Deutschland.
Technik, Kompetenz und Service sind wesentliche Gründe dafür – für Geschäftsführer Viktor Kelm ist jedoch noch etwas anderes wichtig:
Im Gespräch mit ihm geht es erstaunlich wenig um Zahlen, umso mehr um Menschlichkeit.

Herr Kelm, 2007 haben Sie mit drei Leuten angefangen, jetzt sind es 210. Hatten Sie von Anfang an das Ziel, so groß zu werden?

Viktor Kelm: Überhaupt nicht. Es kamen einfach immer mehr Anfragen und Aufträge. Die Halle, in der wir jetzt arbeiten, war früher eine Sicherheitsschuhfabrik. Angefangen mit 800 Quadratmetern haben wir uns immer weiter vergrößert. Das Unternehmen ist noch jung. Es macht Freude, es vorwärts zu bringen.

 

Kommen Sie selbst vom Offset?

Ich habe zehn Jahre in der Druckvorstufe gearbeitet. Als unser Chef den ersten Plotter gekauft hatte, merkte ich gleich, dass ich an dieser Technik Spaß habe. Wenn ich zurückschaue, dann ist das wie ein Traum. Ich musste nichts erzwingen. Alles entwickelte sich ohne inneren Druck. Allerdings muss man in dieser schnelllebigen Branche lebendig bleiben und technisch am Ball bleiben.

 

Sie haben gar nicht viel akquiriert?

Nein, Vertrieb ist etwas, das ich nicht kann. Ich bin eher Techniker. Früher war ich regelrecht kundenscheu. Irgendwann haben wir dann einen Außendienstler eingestellt und einen Online-Shop eingerichtet. Dann kamen immer mehr große Partner, die täglich Aufträge schickten.

Wie und was produzieren Sie?

Wir produzieren im Dreischichtbetrieb alles, was sich digital drucken lässt. Von Visitenkarten über Poster, Plakate, Folien und Fahnen bis hin zu 80 Meter langen Druckbahnen, die wir gerade für die Kieler Woche fertiggestellt haben.

 

Testen Sie auch Maschinen?

Ja, seit drei Jahren geht bei Agfa im Bereich Digitaldruck nichts auf den Markt, was bei uns nicht vorher getestet wurde – also nicht nur Beta, sondern auch Alpha-Testungen. Im Moment sind Leute von Canon da, sie haben auch eine Beta-Maschine zum Testen bei uns. Wenn die Maschinen bei uns in drei Schichten laufen, dann laufen Sie weltweit. Hier erleben sie den Härtetest.

 

Wie bewerten Sie den derzeitigen Qualitätsstandard im Digitaldruck?

Die Qualität hat sich extrem verbessert. Ich denke, die Zeiten sind vorbei, in denen man Digitaldruck ignorieren konnte. Es sind manche Traditionsunternehmen daran gescheitert, dass sie sich geweigert haben, ihre Produktion für bestimmte Anforderungen mit einer Digitaldruckmaschine zu erweitern. Dabei haben sie ja meistens schon alles im Betrieb stehen, was man braucht – die Weiterverarbeitung, Schneide- und Falzmaschinen, Bindesysteme.

Mit welchen digitalen Systemen sind Sie gerade besonders zufrieden?

Wir haben drei Canon ImagePRESS C10000VP seit Herbst 2016 hier installiert. Was uns  besonders gefällt, ist die Schnelligkeit und Medien-Flexibilität mit Grammaturen bis zu 350 Gramm.

 

Die Canon haben Sie über Steuber bezogen. Wie lange arbeiten Sie mit dem Mönchengladbacher Systemhaus zusammen? 

Etwa vier Jahre lang. Wir passen menschlich sehr gut zusammen. Für mich ist es immer wichtig, dass die Chemie stimmt. Sowohl mit Michael Remke (Anmerkung: Vertriebsleiter Digitaldrucksysteme bei Steuber) und mit Stephan Steuber (Steuber-Geschäftsführer) sitze ich deshalb auch öfters und gerne zusammen. Maschinen haben bei uns einen hohen Durchlauf. Und von Steuber beziehen wir ja nicht nur Digitaldruckmaschinen von Canon und Konica Minolta, sondern auch Systeme für die Weiterverarbeitung wie Wohlenberg-Schneidemaschinen oder Renz-Bindesysteme.

 

Die Chemie stimmt, was braucht es noch?

Der Service bei Steuber ist sehr gut. Wenn etwas an Verbrauchsmaterialien fehlt, greife ich ans Telefon und Michael Remke oder ein Kurier kommen vorbei. Das ist der Vorteil des sehr gut sortierten Steuber-Lagers. Auch bei technischen Problemen erhalten wir sofort Hilfe. Das ist Service, wie wir ihn benötigen und auch selbst bieten

Hängt Erfolg also auch mit guten Lieferanten zusammen?

Ich bin der Kunde, du der Lieferant – so etwas gibt es bei uns nicht. Es sind Partner. Wenn einer der Beteiligten nicht mitspielt, haben Sie verloren. Ich bin auf meine Partner angewiesen, und die persönliche Ebene gibt oft den Ausschlag. Bei unserer Unternehmensgröße kommen jeden Tag Vertreter.

 

Offensichtlich geht Ihre Philosophie sehr gut auf.

Wir haben zu 95 Prozent zufriedene Kunden. 2000 Aufträge verlassen täglich das Unternehmen, im letzten Monat hatten wir 1,27 Prozent Reklamationsrate. Wenn dann der seltene Fall eintritt, dass einmal etwas daneben geht, so ist das menschlich – denn Menschen machen Fehler. Auch Kunden sollten dann noch freundlich bleiben. Wenn nicht, lehne ich auch mal Aufträge ab. Ich kann nicht in der Firma anders sein als im Privatleben. Für mich zählt das Menschliche zwischen Mitarbeitern, Kunden und Partnern. Ich verbringe mehr Zeit bei der Arbeit als mit den Lieben zuhause. Das will ich nicht unter Stress, sondern gerne tun.

 

Sie haben ein Gespür für Trends, verraten Sie uns etwas darüber?

Ich bin überzeugt davon, dass Digitaldruck immer erfolgreicher wird und dass sich insbesondere der 3-D-Markt enorm entwickelt. Wenn das mal ausgereift ist, wird es mehr verändern als wir es uns heute vorstellen können. Ich habe das Glück, in die eine oder andere Forschung von Herstellern hineinschauen zu dürfen. Was da entwickelt wird, ist revolutionär.

Was gibt Ihnen Energie für Ihre Arbeit?

Egal, was der Mensch macht, man muss es mit Liebe machen. Ich glaube, dass die Kunden das merken. Ohne Spaß an der Arbeit würde ich das Pensum hier niemals durchhalten. Das gilt auch für meinen Vater und meine Geschwister, die ebenfalls bei Comdatek arbeiten. Zweitens ist es wichtig, zu verstehen, was man tut. Wo geht die Reise morgen hin, in fünf oder in zehn Jahren? Ich entscheide viel aus dem Bauch und natürlich auch nach Zahlen. Aber mit reinen Zahlen kommen Sie nicht voran. Man muss ein Gespür habe, was wird morgen gefragt sein.

 

Welchen Anteil haben Ihre Mitarbeiter daran?

Einen riesigen! Zu unserem Team gehören ausgebildete Drucker mit langer Erfahrung, die Kunden auf fachlich hohem Niveau beraten können. Bevor Mitarbeiter Kunden betreuen dürfen, gehen sie durch die Abteilungen. Sie drucken mit, packen mit ein – so weiß jeder, was wir hier alles tun.

 

Was wünschen Sie sich von Digitaldruckherstellern?

Das fragen mich diese auch regelmäßig. Ich verlange schnelle Maschinen, beste Qualität, und die Möglichkeit, bestimmte Materialien zu bedrucken. Das sollte auch immer umwelt- und gesundheitsschonender erfolgen. Denken Sie beispielsweise an Tapete, die man direkt im Wohnraum um sich hat. Ich finde, sie sollte möglichst chemiefrei sein. Wenn man selber Kinder hat, macht man sich Gedanken, wo sie hineinwachsen.

 

Was tun Sie selbst in Sachen Umweltschutz?

Billig ist nicht umsonst billig. Wenn wir auf Geiz Wert legen, müssen wir uns billigster Materialien und billigster Arbeitskräfte bewusst sein. Ich versuche, in Deutschland mindestens aber in Europa einzukaufen, denn die Standards in Sachen Umweltschutz und Qualität sind hier viel höher. Daneben gibt es viele Gespräche und auch gemeinsame Entwicklungen mit Maschinenherstellern und Papierherstellern – zum Beispiel an Materialien, die mit umweltfreundlicher Farbe bedruckt werden. Wir fragen uns, was wird gebraucht, was können wir Sinnvolles entwickeln? An so etwas habe ich unheimlich Spaß. Erst recht, wenn die menschliche Chemie passt!

 

Unterscheidet Comdatekt etwas von anderen Anbietern?

Wie bedrucken im Digitaldruck so gut wie jedes Material. Ein Pluspunkt ist auch unser Express-Service. Wenn Kunden bis 18 Uhr bestellen, können sie ihre Drucke bis 12 Uhr am nächsten Tag erhalten. Noch bis spät Abends liefert UPS für uns am Düsseldorfer Flughafen an. Davon gibt es nicht viele Anbieter.

 

Wenn Sie abends nach Hause kommen – wie war ein guter Arbeitstag für Sie?

Wenn ich weiß, dass die Auftragslisten abgearbeitet sind. Wenn alle Mitarbeiter gesund sind. Wenn technisch und menschlich alles gut läuft. Dann kann ich ruhig schlafen.

 

Das Interview führte Olivia Rost

Lars KrögerZahlen sind wichtig – Menschlichkeit auch