LEKTION IN SACHEN EFFIZIENZ

Als „Männerhaushalt“ bezeichnet sich das Dreierteam an der Spitze des Druckcenters Linsen in Kleve. Von den Geschäftsführern Rainer Linsen und Milco Mölders sowie dem Prokuristen Marcus Erben lässt sich viel über den strapazierten Begriff Effizienz lernen. Wie sie ihn ausfüllen?  Mit einer schlanken, kundenzentrierten Organisation und mit aktueller Technik – der KBA Rapida 106.

Im Verkaufsgespräch wurde behauptet, die KBA liefe doppelt schnell wie unsere alte Technik.
Das war falsch.
Sie ist sogar mehr als doppelt so schnell.“
Milco Mölders

Herr Mölders, wie man hörte, gab es Überraschungen mit der KBA Rapida 106 nach der Installation – welche?

Milco Mölders: Es gab zwei Überraschungen: Erstens wurde im Verkaufsgespräch behauptet, die Maschine sei doppelt so schnell wie eine Geradeausmaschine. Tatsächlich sind wir sogar mehr als doppelt so schnell – allein schon durch den Wegfall von häufig auftretenden Problemen im zweiten Druckgang. Zweitens ist es auffallend, wie flexibel wir jetzt im Nachgang sind, etwa in der Buchbinderei oder im Versand. Bei termingebundenen Aufträgen sind wir deutlich früher fertig. Somit können wir die Weiterverarbeitung und die Logistik sauberer planen.

 

Die KBA macht Sie also noch erfolgreicher. Welche Features bringen besonders viel in Sachen Effizienz?

Rainer Linsen: Die Wendeeinrichtung zum Beispiel. Wir können jetzt in einem Arbeitsgang beidseitig drucken und wenn nötig inline perforieren. So nutzen wir die Effektivität der Maschine komplett aus. Das Lackwerk ist ebenfalls ein interessantes Feature. Umschläge müssen wir damit nur noch einmal anfassen. Beidseitig vierfarbig gedruckt und lackiert in einem Arbeitsgang. Das ist eine ideale Lösung für unsere Anforderungen.

 

Sie konnten mit der KBA mehrere alte Maschinen ersetzen?

Milco Mölders: Wir haben aus vier Maschinen zwei gemacht und noch deutlich an Kapazität gewonnen. Der Effekt: Über die vergangenen fünf Monate ist der Umsatz gestiegen.

 

Was unterscheidet Linsen Ihrer Meinung nach vom Wettbewerb?

Marcus Erben: Ich denke, unsere Organisation ist besonders. Mit der Geschäftsleitung und zwei weiteren Sachbearbeitern sind wir fünf Ansprechpartner, die zugleich Entscheider sind. Milco Mölders: Das klassische Modell Verkaufsaußendienst, Innendienst, Sachbearbeiter erledigen wir jeweils in einer Person. Jeder ist für den Vertrieb selbst verantwortlich, geht raus und macht seine eigene Sachbearbeitung. Unsere Kunden schätzen dieses System. In vielen Unternehmen sind die Wasserköpfe ein Problem.

Was ist es noch, das den Erfolg von Linsen ausmacht?

Rainer Linsen: Wir haben uns schon immer deutlich durch unsere Flexibilität abgehoben. Wenn ein Kunde am Freitag anruft und am Montag 5000 32-Seiter braucht, dann bekommt er sie. Die neue KBA unterstützt uns dabei, weil sie deutlich schneller ist.

 

Was bedeutet Wachstum für Linsen?

Rainer Linsen: Es ging immer aufwärts, aber in kleinen Schritten. Zuerst der Halbformatdruck. Dann der Wechsel nach 3B, 5 Farben plus Lack und nun 8 Farben plus Lack. Wachsen bedeutet aber nicht nur, in mehr und größere Maschinen oder Mitarbeiter zu investieren. Vielmehr müssen wir uns bei allen Entscheidungen fragen: Wie können wir uns noch besser am Markt behaupten? Effizienz ist hier oberstes Gebot.

 

Welche Rolle spielt Steuber dabei?

Rainer Linsen: Es ist eine lang gewachsene Beziehung. 1985 sind wir mit einer Roland 202 gestartet. Wir profitieren von der intensiven Beratung, denn Maschinen werden bei uns nicht alt. Wir haben einen hohen Durchlauf und wollen uns ja auch weiterentwickeln.

Milco Mölders: Wir haben fast nur Steuber-Technologie hier. Muss man mehr sagen?

 

Wie bewerten Sie den Steuber-Service beim KBA-Geschäft?

Marcus Erben: Die Zusammenarbeit war äußerst konstruktiv, angefangen bei der Beratung über die Anlieferung bis hin zur Installation – alles professionell und sehr servicebetont.

Milco Mölders: Steuber ist ein vollumfänglicher Dienstleister, der auch vollumfänglichen Service bietet. Es macht für uns Sinn, alles aus einer Hand zu bekommen. Wir sind immer bestrebt, auf wenige und gute Partner zu zentralisieren.

 

Gibt es Leistungen, die Sie neu aufgesattelt haben?

Marcus Erben: Wir merken, dass bei unseren Kunden der Druck immer größer wird. Wenn wir ihnen einen Teil des Stresses nehmen können, sind viele dankbar. Mittlerweile realisieren wir auch in Sachen Shopsystem, Webseiten und Datenweiterverarbeitung individuelle Wünsche. Wir haben eine eigene IT-Abteilung dafür aufgebaut.

„Jede neue Maschine hat in den vor- und nachgeschalteten Abteilungen enorme Konsequenzen. Die Zahlen dafür gehen einem schon mal kurz vor dem Einschlafen durch den Kopf.“
Rainer Linsen
„Wir können Kunden durch unsere intensive Betreuung etwas vom Aufgaben-Overload abnehmen. Darin sind wir einzigartig.“
Marcus Erben

Was wünschen Sie sich an technischen Entwicklungen?

Milco Mölders: Einen deutlichen Schub im Digitaldruck beim Format und bei der Leistungsfähigkeit. A2 und das bezahlbar – da muss der industrielle Gedanke greifen. Ich wünsche mir also eine schnelle, flexible Maschine, die in Offsetqualität digital produziert. Dann noch ein guter Wiederverkaufswert – das wär’s!

Rainer Linsen: Digitale Lacklösungen ist ein weiteres Stichwort. Wir bieten Lagerhaltung an, etwa für Kataloge-Inhalte. Unser Kunde schafft so für seine Kunden die Möglichkeit, individuelle Umschläge für den Katalog hier digital oder im Offset produzieren zu lassen. Wir arbeiten mit drei Aggregaten digital – auf die echten Innovationen warten wir noch.

 

Haben Ihnen Investitionen schon schlaflose Nächte bereitet?

Rainer Linsen: Der Einstieg in Computer to Film, dann CTP – das waren Meilensteine für uns und die ganze Industrie. Ein dicker Brocken war unser Umstieg von A2 nach 3B, also die Verdopplung des Formats. Wir brauchten einen anderen Belichter, eine doppelt große Schneidemaschine und eine doppelt große Falzmaschine. Zudem eine doppelte Lagerhaltung. Jede neue Maschine hat in den vor- und nachgeschalteten Abteilungen enorme Konsequenzen. Die Zahlen dafür gehen einem dann mal kurz vor dem Einschlafen durch den Kopf.

Wie stellen Sie sich personell auf?

Milco Mölders. Wir haben 40 Mitarbeiter. Top-Techniker und mehrere Leute im Vertrieb. Etwas sparsam sind wir personell auf der Verwaltungsseite. Aber eins und eins zusammenzählen können wir auch selbst. Was unser Dreierteam angeht: Ich finde es sehr angenehm, schwierige Entscheidungen nicht allein treffen zu müssen. Wir diskutieren kontrovers, finden am Ende aber immer den richtigen Weg.

Marcus Erben: Wir sind Selfmade-Männer und stellen uns in der Verwaltung schlank auf. Diese Struktur entspricht uns einfach. Wir sind sehr nah am Betrieb.

 

Wie binden Sie Ihre Mitarbeiter an sich – und gewinnen neue?

Marcus Erben: Fachkräfte sind in diesem Beruf so rar geworden, wie in anderen Branchen auch. Wir bilden selbst aus, sichern damit den Bestand. Bei Fortbildungen nehmen wir zum Beispiel Partner wie Steuber mit ins Boot. Auf neue Maschinen werden unsere Leute vorher geschult, etwa bei KBA.

 

Sehen Sie intensiven Austausch im Inneren und mit Kunden als Voraussetzung für Erfolg?

Marcus Erben: Jeder Mitarbeiter kann ohne Termin zu uns kommen und Sorgen loswerden, wenn er denn welche hat. Der Kontakt zwischen Technik und Geschäftsleitung ist sehr eng. Jeden morgen haben wir ein Meeting. Unsere Organisation ist exotisch, ich kenne keine vergleichbaren Modelle. Aber erfolgreich. Das wissen unsere Kunden auch. Wir können ihnen durch unsere intensive Betreuung etwas vom Overload abnehmen.

 

Wie wirkt sich die Nähe zu den Niederlanden aus?

Milco Mölders: Holland hat sicherlich einen Anteil zwischen 10 und 20 Prozent an unserem Wachstum. Das Druckereisterben hat sich dort noch rasanter ausgewirkt. Man liebt die deutsche Zuverlässigkeit und Disziplin wissen sie schon zu schätzen. Wir nehmen auch im Zuliefererbereich und in der Weiterverarbeitung holländische Partner in Anspruch.

„Wir sind Selfmade-Männer und stellen uns in der Verwaltung schlank auf. Diese Struktur entspricht uns einfach. Unsere Organisation ist exotisch – aber erfolgreich.“
Marcus Erben

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Effizienz geht Ihnen über alles. Wie füllen Sie den Begriff in Zukunft mit Leben?

Rainer Linsen: Wir wollen mit einer kleinstmöglichen Mannschaft eine hohe Leistungsfähigkeit darstellen. Für uns ist die Investition in die Maschine eigentlich die Antwort auf Ihre Frage.

 

Und diese Maschine schenkt Ihnen mehr Kapazität…

Milco Mölders: Ein glücklicher Umstand! Es ist unsere Aufgabe dafür zu sorgen, dass die Maschinen kontinuierlich laufen. Gedruckt werden wird immer. Da sind wir uns sicher. Klar haben sich viele Dinge geändert, die Preisliste, die man downloaden kann, das Mailing das nicht mehr gedruckt wird. Aber dem werden wir gerecht, indem wir Kunden diese Möglichkeit auch bieten. IT verstärken, Shops anbieten – Ideen für zusätzliche Standbeine als Volldienstleister gibt es genug.

 

Welche Zukunft hat Print?

Marcus Erben: Wir freuen uns, dass Print auch bei der jüngeren Generation wieder auf dem Vormarsch ist. Buchverlage schreiben schwarze Zahlen. Bei Zeitungen ist es zwar weniger geworden, doch Printwerbung ist immer noch die effektivste am Markt. Zahlen belegen das. Print ist für uns ein wertvoller Markt, den man zuverlässig planen kann. Der Digitalbereich wird sich deutlich schneller verändern, denn er ist beweglicher. Wir planen parallel.

 

Herr Linsen, Ihre Eltern haben das Unternehmen gegründet. Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Rainer Linsen: Weiter so arbeiten zu dürfen, wie wir es bisher getan haben. Kontinuierliches, gesundes Wachstum.

Vom Kuhstall zum hochmodernen Vollsortimenter:
Linsen-Druckcenter GmbH, Kleve

1982 baute Firmengründer Willi Linsen eine ehemalige Scheune in Kellen zur Druckerei um. 1993 zog die Firma ins Gewerbegebiet Kleve um und Sohn Rainer stieg ins Geschäft ein. 1995 kam Milco Mölders dazu, der seit 1999 auch als Geschäftsführer tätig ist.

Heute arbeiten 40 feste und rund 35 Teilzeitkräfte im Unternehmen. Das Linsen-Druckcenter versorgt Kunden im gesamten Bundesgebiet mit Druckdienstleistungen. Auf 4.000 Quadratmeter Produktionsfläche verfügt Linsen über sämtliche Maschinen für Offsetdruck, Digitaldruck, Druckvorstufe und Konfektionierung. Mit einer eigenen IT-Abteilung orientiert sich das Unternehmen auch zunehmend in den Bereichen digitale Lösungen, Internetpräsenzen und Shopsysteme.

KBA Rapida 106 8+L SW4 FAPC ALV2

Seit dem Frühjahr 2016 bringt die KBA Rapida 106 dem Druckcenter Linsen ein Plus an Produktivität und Qualität. Lieferung und Installation der Achtfarben-Maschine mit Lackwerk und einer Wendeeinrichtung 4/4 übernahm die Heinrich Steuber GmbH. Die Maschine arbeitet hochautomatisiert und optimiert Produktionsabläufe dank ihrer extrem kurzen Rüstzeiten. Die Aufrüstung mit dem Speedpaket sorgt für eine hohe Nettoleistung im Schön-Wiederdruck mit bis zu 18.000 Bogen pro Stunde. Weitere Vorteile sind die ziehmarkenlose Anlage sowie eine Inlinemessung zur Reduzierung der Anlaufmakulatur.

Lars KrögerLektion in Sachen Effizienz